QRShopping mit PaPal in Oldenburg
4.Oktober 2014 Allgemein Keine Kommentare

Oldenburg war im Herbst 2013 das Pilotprojekt für einen QR-Code-Shoppingansatz des Zahlungsdienstleisters PayPal (mehr hier lesen). Hierbei konnten die Kunden Artikel aus den Schaufenstern von 32 Oldenburger Einzelhändlern ganz einfach durch Scannen eines angebrachten QR-Codes online bestellen. Nach Abschluss des Projektes wurde das Fazit gezogen. Die Fachwelt spricht dabei teilweise von einem Misserfolg, Paypal schliesst ein positives Fazit der Aktion. Was bleibt differenziert betrachtet an Erkenntnissen?

Reine Verkaufszahlen erfüllen Erwartungen nicht

Schauen wir zunächst einmal auf die Kritiker der Aktion. Die Lebensmittelzeitung sieht keinen Erfolg, t3n bezeichnet die Aktion gar als Flop. Dabei konzentrieren sich beide einzig auf die Zahl der Verkäufe. Diese sei laut Christoph Baak, dem damaligen Chef des City-Management-Oldenburg, nicht ausreichend gewesen: „Was die Verkäufe angeht, war das kein sonderlich erfolgreiches Projekt“. Unsere Meinung:  Die reinen Verkaufszahlen betrachtet mag es sein, dass Erwartungen nicht erfüllt wurden. Man muss sich aber auch fragen woher der Vergleichswert kommen soll, der eine Bewertung in dieser Hinsicht ermöglicht. Schließlich handelte es sich um ein Pilotprojekt. Und ob die anklingenden Erwartungen (signifikante Umsatzsteigerung) überhaupt realistisch sind.

Durchaus positive Bilanz

Ein Oldenburger Händler nennt im Sellerforum dazu konkrete Zahlen: 19 Käufe bei 100 Scans hätte er erzielt und zieht für sich persönlich eine positive Bilanz. Und das kann er sicher auch tun. Gerade die 19 Käufe sind durchaus respektabel. Immerhin handelt es sich um eine völlig neue Technik mit einem nicht etablierten Ansatz und direkte Spontankäufe.

Kommen wir zu den positiven Aspekten der gemischten Bilanz, die Baak gegenüber der NWZ und locationinsider gezogen hat. PayPal und auch der CMO betonen die positiven Erfahrungen und Erkenntnisse: Die benötigte App wurde zum Beispiel 32% häufiger heruntergeladen als zuvor, das Projekt erzeugte einige Aufmerksamkeit. Das hört sich nach sehr soften Kriterien an, doch würden wir von ECOMAI die Aktion als zumindest aufschlussreich werten.

Chancen für den Einzelhandel

Für den stationären Handel ist der getestete Ansatz sicher kein Heilsbringer. Das dürften auch nicht die Erwartungen gewesen sein. Nicht jeder Einzelhändler kann und sollte einen kompletten Online-Vertriebsweg aufbauen. Doch die geschickte Verknüpfung von Online und Offline im Verkauf und vor allem im Marketing sollte in jedem Unternehmen weiter oben auf der Agenda stehen.

Damit ein Ansatz ähnlich wie der in diesem Projekt getestete erfolgreich sein kann müssen einige Komponenten stimmen. So ist zum Beispiel die Auswahl der Artikel wichtig. Diese müssen von ihrer Beschaffenheit und ihrem Preis für Spontankäufe geeignet sein. Sie dürfen also z.B. nicht erklärungsbedürftig sein, da man noch weniger als in einem Onlineshop über den Artikel erfahren kann. Am Besten geeignet sind Artikel, die sich selbst erklären, kein Risiko hinsichtlich der Investition bedeuten und ein Sofort-Haben-Gefühl erzeugen.

Auch musste für den Kauf zunächst eine spezielle App installiert werden, was eine unnötige Hürde darstellt. Dies wäre eine leicht zu überwindende Hürde, könnte aber auch dafür verantwortlich sein, dass die Verkaufszahlen nicht zufriedenstellend waren.

Oldenburger Einzelhandel zeigt sich offen

Die teilnehmenden Händler, fast allesamt alteingesessene Oldenburger Unternehmen, sind zu ihrer Teilnahme zu beglückwünschen. Sie reihen sich damit nicht bei denen ein, die ausschließlich auf das Internet schimpfen. Sie suchen nach Wegen die neuen Voraussetzungen für sich zu nutzen. Man darf gespannt sein ob und welche Wege der lokale Einzelhandel finden wird.

Geschrieben von Andre Lampe
Ich habe einen digitalen Helferinstinkt und möchte darum gerne helfen, dass ihr Online-Shop oder sonstiges Online-Projekt erfolgreich ist.